17 Mai 2016

OnTour 2016 / Valle Maira - Einstieg und Wanderungen

Submitted by Bernd

Noch unterwegs ...

Eine Rast bei Ehrwald - Zugspitzgebiet

 

Hier geht es zur Vorbereitung der Tour

 

 

 

 

 


22.05.2016 (Sonntag): Der Start, bewußt früh gewählt, erfolgt gegen 07:52 und der Tag verspricht schön zu werden. Bis zum Etappenziel in Pfunds, kurz vor der Schweizer Grenze liegen gemäß Navi, bei einer errechneten Ankunftszeit gegen 15:30 nun rund 763 Kilometer vor mir; zu fahren auf dieser Route.

Eine erste Pause, nach knapp zweistündiger zügiger Fahrt steht in Eisenberg an, wird dort gleich mal getankt; und die zweite, etwas längere Rast gestatte ich mir bei Ehrwald, bereits in Östereich, dort mit einigen Impressionen auf das Zugspitzgebiet. Das kleine, rauschende Bächlein ist mir dabei ein erstes Video wert..

Doch schon deutlich nach 17 Uhr wird Pfunds erreicht, sind es etwas mehr, 789 Kilometer geworden. Das Wetter für einen kleinen Spaziergang in den Ort ist recht schön. Hier in Östereich sind heute Wahlen (die des Bundespräsidenten) und die Atmosphäre im Vergleich zu diesem gerade bundesdeutschen Medienrummel der letzten Tage hier recht ruhig.


23.05.2016 (Montag): Ein regnerischer Tag in Pfunds, in den Alpen scheint versprochen, als es kurz vor neun dann losgeht. Die folgende Szenerie ist mir genauso bereits seit 2012 in Erinnerung. Die Straße hoch zum Reschenpass, sie schmiegt sich an den Berg und verschwindet dann in diesem, während diejenige in Richtung St. Moritz im enger werdenden Tal verläuft. Wie üblich in den Bergen, muß wegen allfälligem Steinschlag und anderem Bergabgang viel gebaut werden, ist erhöhte Aufmerksamkeit wegen plötzlich und ohne Vorwarnung auftauchender Hindernisse erforderlich. Aber die Richtung stimmt, das Wetter regnet sich ein; so what.

Leaving Pfunds könnte man dieses Video nennen und gleich nach dem Ortsausgang erfolgt der Abzweig zum Reschenpass (über den ich dann zwei Wochen später zurück kommen sollte) bzw. in Richtung St. Moritz..

Gegen 13 Uhr sind die ersten oberitalienischen Seen erreicht, geht es dort meist in vielen kürzeren und auch schon mal etwas längeren Tunneln entlang und nach zwei kurzen Pausen erfolgt gegen 15 Uhr dann die verdiente Rast auf dem Autogrill zwischen Mailand und Turin. Mein karges Mal sei in dem Viedeo hier dokumentiert, angenehm leer war dort um diese Zeit.

Kurz nach 17 Uhr ist das Ziel der Reise, meine Basis für die nächsten Tage errecht. Eine zentrale Lage gegenüber der Kirche und unter mir die um diese Zeit noch ruhig am Straßenrand liegende Pizzeria. Ok, bin bei meinem Freund zur Pizza eingeladen, und das hier läuft nicht weg, wird sich noch eine Gelegenheit bieten. Parkplätze sind ebenfalls genug vorhanden, ein Stützpunkt der Carabinieri gleich nebenan. Aber mir wird das Privileg zu teil, im privaten Hof meiner Wirtin, gar überdacht parken zu dürfen.

Kurz ausgepackt und frisch gemacht, dann holt mich der Freund ab, lassen wir den Tag bei Pizza und Wein ausklingen ...
 


24.05.2016 (Dienstag): Das Wetter meint es gut mit uns, steht der ersten, gern leichten Wanderung nichts im Wege. Das Frühstück, bei der netten, leider nur italienisch sprechenden Wirtin ist schlicht, für mich jedoch ausreichend. Außerdem habe ich ja meine Kühlbox (12/230V) dabei, diverse Leckereien eingeschlossen. Mein Zimmer ist recht großzügig, hinten liegt das Bad und ein Fenster geht zum Innenhof. Nach vorn geht es auf die Galerie und der Blick streift über die Kirche hinaus hoch auf die komplett bewaldeten Berge.

Auf geht's,  die ersten Eindrücke warten  ...  die zweiten folgen sogleich ...

Sie werden ergänzt um dieses Video und (beim Abstieg dann) um jenes Video ...


25.05.2016 (Mittwoch): Es herrscht weiter gutes Wanderwetter, knapp 20 Grad und trocken, leicht bewölkt. Heute sind wir zu viert, wird uns eine junge Italienerin und deren Hund begleiten. Nun geht es schon kräftiger zur Sache, ist leichtes Doping mit Magnesium und Kalium nicht verkehrt. Im Ernst, wer -like me- viel schwitzt, der verliert sehr schnell etwas zuviel von den wichtigen Mineralstoffen. Krämpfe in den Beinen sind die Folge. Ok, ich lerne dazu, vertraue meinem Bergführer.

Locker geht es los, fahren wir zuerst mit dem Auto auf eine höhe von knapp 1500 Metern. Dann wieder (für mich) diese tollen Eindrücke, geht es dann relativ schnell raus aus dem Wald; in größere Höhen. Dann, nach rund drei Stunden ist der Gipfel erreicht. Meine Begleiter machen sich auf, die nach hinten, etwas weiter unten gelegene Steinstruktur zu bewundern - aber mir reicht es, bin oben und das ist auch schon was!

Abwärts, weil als Rundkurs angelegt, wurde es zuerst sehr steil und steinig, wenngleich der Weg recht breit und ohne Sturzgefahr zu begehen war. Nach dieser verdienten Ruhepause ging es dann noch rund eine Stunde auf einem ebenfalls breiten, auch angenehm zu begehenden Weg zurück zum Auto. Knapp sech Stunden unterwegs; nicht schlecht.

Hier die Tour als Draufsicht via Satellit und dazu ein kleines Video, das darf natürlich nicht fehlen ...


26.05.2016 (Donnerstag): Die gestrige, doch nicht ganz einfache Tour steckt (mir) noch etwas in den Knochen und es ist morgen ein erster Höhepunkt mit deutlich über 2000 Metern geplant. Daher wird sich heute etwas im Schongang bewegt, geht es direkt von der Unterkunft diesmal auf die andere, südliche Talseite, auf einem leichten Weg auch nur mittelhoch in den Hang.

Lediglich knapp vier Stunden dauert heute der Weg, sind die Eindrücke hier und dort zusammengefaßt.


27.05.2016 (Freitag): Heute soll es erstmals in eine Höhe jenseits der 2000 Meter gehen, wird das Wetter da oben wohl hoffentlich halten, sollten wir uns vorher vielleicht noch rückversichern ...

Bis auf rund 1600 Meter bringt uns der Wagen, erscheint der Kamm mit seiner in der Bildmitte zu erkennenden, vorgelagerten Erhebung bereits in der Ferne.

Der weg führt uns auf der rechten Seite aufwärts und diese Erhebung werden wir dann auf der Rückseite passieren, dann geht es links weiter hoch; soweit die Füße tragen, das Wetter es zuläßt.

Sieht von hier aus nicht mal wirklich steil aus.

 

 

 


Bei einem dieser nur partiell noch bewohnten Bergdörfer ist die vorerst letzte Gelegenheit zur Ergänzung des Trinkwasservorrats, geht es vorerst auf diesem Weg dann gut eine Stunde noch relativ leicht aufwärts.

Und wir sind nicht allein, kommen uns andere "Sportler" entgegen; zwei Italiener mit sehr speziellen Rädern, einer Mischung aus Mountain-Bike und Rennrad. Heute wird es kein Rundkurs. Sowohl die Schneelage, mehr noch die Wetterlage werden uns später ermahnen, nach gut drei Stunden aufwärts dann doch umzukehren.

Es geht aufwärts, haben wir zeitweise den Höhenzug, den Grat bereits im Blick und auch das Wetter scheint zu halten. Auf diesem Grat zum nördlichen Nachbartal verläuft ein alter Militärweg, dem wir dann die nächsten zwei Stunden westwärts in Richtung Sampeyre folgen. In östlicher Richtung gegangen, so würden wir dann dort vorbeikommen, wo uns die Wanderung am zweiten Tag (Mittwoch) hinführte; ehe dort der letzte Gipfelanstieg begann. Schön zu sehen, dieses Wegedreieck; auch als Draufsicht via Satellit - und natürlich auf diesem Video!

Noch eine Stunde weiter und da ist er, der Grat; an dessen Rückseite wir nun weiter aufwärts wanderten, von einigen Schneeresten begleitet.

Man glaubt es kaum, waren jedoch einige Weg-Windungen unter uns Motorgeräusche zu hören; kamen näher, wurden sichtbar. Diesmal keine Italiener auf dem Rad, sondern zwei motorisierte Biker; nach den Nummernschildern zu urteilen gar aus Deutschland. Nicht meine, unsere Welt; aber auch nicht verboten, hier oben.

Die Baumgrenze ist überschritten, das Wetter trübt sich ein. Zeit wohl für eine letzte Rast nach knapp vier Stunden und mittlerweile einer Höhe von 2100 Meter - und, nach einem letzten Blick auf die partiell gar in der Sonne liegende Talszenerie dann die Umkehr.

Nebenbei angemerkt, so lässt sich die jeweilige Höhenlage via einer App auf dem Smartphone recht leicht bestimmen. Dafür braucht es keinen Mobilfunk, GPS reicht und sollte unter den Bedingungen dort oben leicht zu empfangen sein.

Welch ein Glück, und dank der Aufmerksamkeit meines einheimischen Bergführers sind meine bedenklich zur Neige gehenden Wasservorräte an einer natürlichen Quelle, direkt aus dem Berg wieder aufzufüllen.


28.05.2016 (Samstag): Nach der gestrigen harten Tour ist heute ein Ruhetag angesagt. Nein, den geschundenen Körper nun völlig ruhig stellen, ist das Wetter zudem herrlich. Auf geht's nach dem Frühstück, steht heute eine Fahrt in die Provinzhauptstadt an, nach Cuneo.

Zuerst der Besuch bei einem Holzschnitzer, einer Art künstlerischer Tischlerei, werden einige Holzteile zur weiteren Bearbeitung erstanden.

Dann geht es zu Decathlon, einem Outfitter (wie man in Nordamerika sagt). Einem Ausstatter in Sachen Sport, Kleidung und alles was man sonst (draußen) benötigt. Auf Empfehlung meines Freundes erstehe ich eine neue Wanderhose; haben es mir zwei sportliche Hemden ebenfalls angetan. Der Rest bleibt im Hinterkopf, wird das mit Sicherheit nicht der letzte Besuch dort gewesen sein.

Und dann, eher es zurück geht in die Valle Maira, besuchen wir eine Lebensmittelkooperative, einen Supermarkt, der viel Wert legt auf umweltfreundliche, natürliche Produkte. Der Freund kauft, was er so in der nächsten Woche braucht, gibt es in Dronero uder gar im Tal keine vergleichbare Einkaufsmöglichkeit. Ok, ich kann ebenfalls etwas gebrauchen, soweit die Kühlbox dafür ausreichend ist. Verschiedenen Käse, Fisch, Johgurt und etwas Obst darf es schon sein; ein Sechserpack Wasser kommt noch oben drauf.

Nach der Rückkehr dann doch etwas Ruhe, folgt ein langer Mittagsschlaf und zum Abend bereitet uns der Freund eine Spinattorte zu, wird diese dann mit reichlich Wein genossen.


29.05.2016 (Sonntag): Eigentlich wollten wir heute und sehr früh eine relativ kurze, dennoch knackige Wanderung absolvieren, sind später zum Essen bei einer italienischen Familie eingeladen. Nur leider regnet es in Strömen, komme ich nach dem Frühstück stattdessen nun endlich dazu, einiges im Netz nachzuarbeiten, Mails zu beantworten etc.Gegen 13 Uhr holt mich der Freund ab und wir fahren auf verschlungenen Wegen in so ein kleines Bergdorf, eine Ansammlung von nur wenigen und auch nur teilweise bzw. dauerhaft bewohnten Häusern. Das Essen ist toll, nur brauche ich für die Teilnahme an den Gesprächen immer den Freund als Übersetzer. Man spricht dort italienisch, alternativ auch schon mal französisch; kann mit beidem nicht wirklich dienen.


30.05.2016 (Montag): Der letzte Tag im Tal ist für mich angebrochen. Das Wetter ist herrlich und nach zwei Tagen weitgehender Ruhe darf es heute gern etwas mehr sein; was das Wandern betrifft ...

Ja, die heutige Wanderung hoch zum Lago Nero wird der optische Höhepunkt dieser Tage, hält sich die Anstrengung in Grenzen (oder ist die Kondition bereits so gut?) und lediglich ein Stück des Abstiegs über steiles, teils rutschiges Wiesengelände erforderte hohe Trittsicherheit.

Früh geht es los, dürfte der Tag wohl noch schöner werden als jetzt, gegen 7:20 und mit Blick auf die Bergszenerie und  über die Kirche hinaus. Unser mit dem Wagen erreichter Ausgangspunkt ist die Brücke oberhalb des Ortes Preit und auf 1650 Metern gelegen. Neben dem Lago Nero gibt es ab dieser Weggabelung, gemäß diesem Wegweiser noch weitere Ziele, werden wir einige davon dann im September erwandern

Gegen 9 Uhr verlassen wir den Wagen und machen uns auf, hoch zum See. Rund zweieinhalb Stunden wird der Aufstieg dauern, davon lediglich die letzte Stunde etwas steiler, härter, fordernder.

Wir sind auf dem richtigen Weg und die immer neue Perspektiven bereit haltende Szenerie entschädigt für Alles ...
 

Langsam nähern wir uns der Baumgrenze, ist eine Höhenlage von rund 2000 Metern erreicht.

Diesen Weg müssen wir jetzt verlassen, er führt in das südlich gelegene Nachbartal des Valle Maira.

Wir dagegen steigen nach rechts, aufwärts und es bleibt uns dann lediglich noch ein ein Trampelpfad.

Nein, nicht über das Schneefeld, verläuft rechts davon der Weg; und weitgehend schneefrei.

 

 

 

Einige Hänge, einige Anstiege sind noch zu bewältigen, erwartet man hinter jeder Kuppe doch den See; und wird erstmal wieder enttäuscht, vertröstet. Aber dann sind wir endlich oben, können jetzt gar absteigen - zum See. Und mein Begleiter ist diesmal Erster!

Eine verdiente Rast, eine Stärkung aus den mitgebrachten Vorräten muss schon sein, gibt's hier keinen Kiosk oder gar ein Albergo.

Dann erst mal wieder ein (kleiner) Anstieg, geht rechts der Weg hoch zu einer Kuppe auf 2319 Metern, dem höchsten Punkt unsrer heutigen Tour. Nun geht es relativ steil abwärts, öffnet sich dabei ein herrliches Panorama; hinunter in das Tal wo unser Fahrzeug wartet, aber auch auf die gegenüber liegenden Hänge, die wir im September erwandern wollen.

Der lichte Wald unterhalb von 2000 Metern ist bald erreicht und irgendwann nach knapp fünf Stunden sind wir fast schon wieder unten, zunehmend auf gut befestigten Wegen; haben uns den Blick zurück verdient. Und zum Abschluß mögen hier nun sechs kleine Videos diese Tour zum Lago Nero in bewegten Bildern ergänzen, Here we go:

Der Einstieg und erste Schritte

Noch auf dem befestigten Weg

Ein Pfad durch den lichten Wald

Irgendwann kommt der Lohn der Mühe

Deutlich hochalpin, jenseits der Baumgrenze

Langsam tauchen wir wieder ein in den Wald

Kommentare

In Deiner kurzen idyllischen Impression - sollte sie in einen romantischen Zusammenhang gebracht werden -
ließe sich ohne Weiteres das Motto "Verweile doch" , das für viele Lieder des Komponisten Franz Schubert
gilt, assoziieren. Schon vor 200 Jahren war das Thema "Natur" als Gegenpol zur industrialisierten Großstadt
in Musik und Poesie als Zufluchtsort, abgehoben vom geplagten Alltagsleben, Sinn und Ziel eines von kon-
ventionellen Normen ungebundenen Lebens. Aufbruchsstimmnug und die Wanderschaft gehörten zum
Wesen des romantischen Menschen, sie waren aber keine "Kilometerfresser", sondern zogen aus dem Naturer-
leben immer neue Lebenskraft und künstlerische Energie.
Lieber Bernd, Du ahnst wahrscheinlich jetzt schon ein bisschen, was zu dem Bächlein in Deinem Video fehlt:
keine Bassläufe und kein dröhnendes Gitarren-Solo, sondern das passende Lied.
Hier zumindest ein passender Liedtext von Wilhelm Müller, den Schubert als Kunstlied vertont hat:

Wohin?
Ich hört` ein Bächlein rauschen
Wohl aus dem Felsenquell,
Hinab zum Tale rauschen
So frisch und wunderhell.

Ich weiß nicht, wie mir wurde,
Nicht, wer den Rat mir gab,
Ich mußte auch hinunter
Mit meinem Wanderstab.

Zitiert sind hier nur die erste und die zweite Strophe des Liedes, vielleicht hörst Du es Dir einmal
in einem passenden Moment in Ruhe an.

Viele Grüße bis bald,
Martin P.

Bild des Benutzers Bernd

mit der Aufarbeitung meiner Tour in Wort und Bild.

Dennoch erst mal Danke für den Eintrag, den Hinweis darauf, was hier noch fehlt, wo mehr gar zu hören ist. Bis Ende August steht aus heutiger Sicht keine Tour, keine Unterbrechung mehr an, sollte das Erlebte sich hier dann auch dokumentarisch manifestieren.