21 Mär 2014

LaterPay

Submitted by ebertus

Der nächste Herr, dieselbe Dame... Zu bezahlende Inhalte gibt es bereits im Netz, in der Regel via proprietärer Modelle mit entsprechendem Aufwand bei Registrierung und Abrechnung als gläserner Konsument.

LaterPay ist nun der nächste (wievielte?) Versuch, das herkömmliche Geschäftsmodell eines zu bezahlenden Top-Down Journalismus, Qualitätsjournalismus (feel free) zu retten, in die neue Zeit zu übertragen.

Einen informativen Überblick gibt es bei NETZWERTIG.COM und das darin erläuterte Neue wird innerhalb weniger Sätze gleich wieder relativiert; zumindest wenn man zwischen den Zeilen lesen mag und nicht vollkommen neu dieser Materie einschließlich der technischen Rahmenbedingungen gegenüber steht.

"Ist der Leser interessiert, klickt er darauf und darf den Beitrag ohne Vorab-Registrierung sofort lesen. Ihm wird aber mitgeteilt, wie teuer der Beitrag ist und dass er später dafür zahlen muss."

"Die Zahlung wird für den Nutzer erst dann fällig, wenn die Summe der Beiträge, die er gelesen hat, 5 Euro übersteigt. Spätestens dann muss er sich bei LaterPay registrieren und kann dort mit diversen Zahlungsmitteln einen Account hinterlegen."

 

Die einfache Frage wäre nun, wie denn die fünf Euro Grenze getriggert, aufsummiert wird - ohne Vorabregistrierung...!?

An dem Problem sind schon ganz andere, sind einige BigPlayer der Branche grandios gescheitert, haben viel Geld in dem sehr realen monetären Sand versenkt. Cookies waren gestern, werden von sicherheitsbewußten Anwendern umgehend (nach jeder Session gar) gelöscht und über das Mitloggen der IP-Adresse geht das schon mal garnicht. Spätestens nach Snowden (nach Redtube?) sind IP-Adressen verändernde Proxies, VPN-Systeme etc. und eben jenseits der sog. Tauschbörsennutzer gängiger Standard, was den essentiellen Eigenschutz im Netz betrifft.

Dazu kommt -für mich anhand der eigenen Lesegewohnheiten nachvollziehbar- dass der geneigte Leser im beinahe fliegenden Wechsel verschiedene, Hardware, Zugriffswege, Provider etc. nutzt. Morgens im heimischen WLan, dann auf dem Tablet in der Bahn und später im Büro, in der Uni wieder mit ganz anderer Zugangstechnik.

Ergo: Es ist sogar eine doppelte Registrierung notwendig, erst diejenige um vorab lesen zu können, den Zähler nebst Kompletterfassung der jeweiligen Lesegewohnheiten zu triggern; und dann "die richtige", um von LaterPay abgerechnet zu werden. Dazu kommen die jeweils notwendigen Anmeldeprozeduren in der genannten, heterogenen Umgebung. Natürlich, dem Autor des verlinkten Artikels ist das schon irgendwie klar, so schreibt er doch weiter unten:

"Paid Content kann hier auf diese Art und Weise eigentlich nur funktionieren, wenn der Dienst im großen Stil bei möglichst vielen Online-Magazinen zum Einsatz kommt." [...] Bevor sie ihre Einnahmen mit einem kleinen Startup teilen, und sei die Provision mit 7 Prozent auch noch so gering, stampfen sie lieber ihr eigenes System aus dem Boden, fragmentieren damit den Markt und machen es für die Leser damit gleich wieder ein Stück unbequemer."

Kann man so sehen, aber im Sinne dieser weiter oben angesprochenen Problematik der Doppelregistrierung müssten bzw. könnten die Mitspieler ja gleich die erste Hälfte der Accountpflege übernehmen - mit Laterplay dann einen regen Datenaustausch zu eben genau den erwähnten Lesegewohnheiten, sprich: den anfallenden Zahlungsdaten pflegen;

im Einzelfall möglicherweise im Bereich weniger Eurocent...

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Bierdeckel-Prinzip

Ein schräger Vergleich, genial oder nur eine Variante von genialer Bauernschläue?

Bin kein Kneipengänger, vermute aber mal, dass der Wirt seine Kunden vom ersten Bier an sehr konkret im Blick hat (nicht erst nach dem dritten...), niemand so einfach verschwinden kann, wenn es an das Bezahlen der nur ein oder zwei via Bierdeckel aufsummierten Striche geht. 

"Klar muss man sich irgendwann mal registrieren. Allerdings kommen wir dem Leser hier sehr entgegen. Das System funktioniert nach dem klassischen Bierdeckel-Prinzip in der Kneipe: Man liest einen Artikel und erklärt sich bereit, später dafür zu bezahlen. Sobald eine Summe von 5 Euro zusammengelesen wurden, wird man gebeten, sich einmal – und wirklich nur dieses eine Mal! – zu registrieren..."

Richard Gutjahr, der Berater hinter LaterPay auf die Frage nach der Registrierung. Wie erklärt man sich realweltlich, rechtsgültig identifizierbar bereit? Und die bis dato zusammengelesene Summe von fünf Euro wird genau wie ermittelt, auf welcher -wie auch immer entstandenen- Datenbasis wird der geneigte Leser dann gebeten? Oder kommt dann doch die "ganzheitliche, patentierte Holotrack-Technologie", zur Rundumbetreuung des Users und "seiner" Endgeräte, wie dahingehend in einem bereits mehr als zwei Jahre alten Blogtext zu lesen?

In einer anderen Einlassung zum Thema irgendwo gelesen, da spekulierte der dortige Kommentator über einen sog. Browser-Fingerprint. Nun, wenn das bekannt würde, dann könnten sich Gutjaht&Co. (nach Snowden) wohl gleich -betriebswirtschaftlich betrachtet- die Kugel geben. Zumal ein Browser-Fingerprint bei den zunehmend heterogenen Zugriffswegen und im Multiuser-Kontext mehr als fragwürdig wäre, es bereits Browser-Addons zu Manipulation bzw. Verschleierung des Fingerprint gibt.

Ergo: LaterPay dürfte ein weiteres faktisches Bettelsystem werden, bei dem sich die erwartbar wenigen Teilnehmer dann bestenfalls gegenseitig füttern; der schlußendlichen Einstellung anheim gestellt, sobald das Startkapital aufgebraucht ist.

 

Kommentare

Immerhin setzt jetzt spiegel online auf laterpay und damit wohl auf den elektronischen Fingerabdruck des Browsers

Bild des Benutzers Bernd

sollten wir den Browser -nach Snowden- also (wieder) NSA, BND, RedTube kompatibel machen?

Kurze Info, soweit noch nicht gelesen. Habe das Thema Spiegel Plus in meinem jüngsten Freitagsblog noch etwas vertieft; nebst allfälliger Komentare eben dort dann überwiegend die betriebswirtschaftliche Seite adressiert.