1 Aug 2017

Der E-Mobile Hype

Submitted by Bernd

Aktuell ist es angesagt, den Verbrennungsmotoren und insbesondere dem Diesel das Sterbeglöckchen zu läuten. Die damit einhergehenden, sehr substantiellen Anforderungen und Fragestellungen werden dagegen auf eher kleiner Flamme ventiliert. Warum?

1. Wie wäre es mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung; wie in allen anderen zivilisierten Ländern dieser Erde?

2. Was ist eigentlich mit den zunehmend vielen LKW? Es wird immer nur über die (Diesel)PKW geredet.

3. Wo soll der notwendige Strom herkommen, wenn signifikant viele Fahrzeuge elektrisch betrieben werden?

4. Was ist mit den endlichen Ressourcen, insbesondere Lithium zur Herstellung der dann notwendigen vielen mobilen Speicher

5. Warum gehen Bund, Länder und Gemeinden eigentlich nicht zügig voran, stellen ihre Fahrzeuge auf Elektroantriebe um?


Die kleine Liste ließe sich mit Sicherheit noch verlängern, bergen jedoch bereits diese wenigen Fragen genug Sprengstoff. Offiziell und auch großmedial verkündet wird lediglich mit gepflegter Relativierung, dem Zeigen auf den/die jeweils Anderen reagiert. Dennoch mögen diese fünf Punkte -und einige mehr- hier noch etwas vertieft werden.

- - - - -

Zu 1. und als gewisses Outing zu verstehen, so ist mein aktuelles Fahrzeug durchaus in der Lage, sich mit deutlich über 200 km/h zu bewegen. Wobei die dann gefällte Kaufentscheidung und nicht zuletzt nach vielen, vielen Aufenthalten in den USA, von anderen Kriterien getragen war. Dort, wo es generell eine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt, man auch auf gut ausgebauten Autobahnen bestenfalls 75  mph (120 km/h) fahren darf; dafür aber in der Regel mit Automatik und mit einem sog. Tempomat (Cruiser). Dass man auch rechts überholen darf, das sei in Sachen dieses easy driving lediglich am Rande angemerkt. Und bei den drüben in der Regel schlechteren Straßen, den oft extremen Witterungsbedingungen fährt man mit einem (heute elektronisch geregeltem) Allradantrieb sicherer; sei das sei hier ebenfalls betont.

Außerdem klar, dass es hierzulande und im Gegensatz zu den großvolumig bestückten, spritschluckenden US-Benzinern, den hierzulande deutlich höheren Krauftstoffpreisen ein verbrauchsgünstiger Diesel sein musste.

Ok, zurück zur ersten Frage. Es erstaunt schon, dass das Thema einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung bei den aktuellen Diskussionen um den Schadstoffausstoß bzw. die sog. Schummelsoftware und insbesondere bei Dieselmotoren keinerlei erkennbare Relevanz besitzt. Freie Bürger wollen demnach und wie bereits zu Zeiten des guten FJS offenbar freie Fahrt, oder?

Ein letzter Hinweis zu diesem ersten Block. Hatte kürzlich Gelegenheit an einem Freitag (hin) und einem Mittwoch (zurück) die Eifel zu besuchen, fast ausschließlich auf der Autobahn unterwegs zu sein. Gefühlt waren auf 35 bis 40 Prozent der Strecke Baustellen zu konstatieren, auf weiteren 35 bis 40 Prozent war die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf anderen Gründen reduziert. Wenig Gelegenheiten also für die Freien Bürger ...

Zu 2. schließt sich hier eine ähnliche Frage an, wie vorgenannt. Was ist mit den in der Regel mit einem Dieselmotor bestückten Lastkraftwagen? Selbst wenn diese bestenfalls gut 100 km/h erreichen, so dürfte jeder Einzelne und verglichen mit dem (Diesel)PKW ein vielfaches an Schadstoffen ausstoßen.

Und die Zeiten, als es nur wenige (LKW) waren, die sind lange vorbei.  Die rechte Spur (gefühlt, bei oben genannter Eifel-Tour) war flächendeckend aufgefüllt mit LKW; bei drei Spuren auch teilweise die mittlere. Die Seiteneffekte mögen dabei nicht vollkommen vergessen werden, kann fast jede(r) irgendwann betroffen sein.

Als Anhänger der Grünen und sogar bis in die 90er Jahre fragt man sich schon, wo die damaligen Ideale geblieben sind. Der LKW-Verkehr sollte doch konsequent auf die Schiene verlagert werden. Und heute, bei diesem Negativhype um den Diesel gibt es noch nicht einmal ansatzweise ein Konzept, wie das dann bei den Lastkraftwagen (oder den Bussen) gehandhabt werden soll. Wobei die doch, und jenseits des Sonntag, auf der Autobahn bald unter sich sein werden ...

Nicht ganz so extrem, jedoch auch zu diesem Block als Hinweis zu verstehen, betrifft es in ähnlicher Weise die großvolumigen sog. Dienstwagen. Über kreative, ganz legale Steuersparmodelle (1% Regel etc.) können sich vom Frühstücksdirektor über den Klinkenputzer bis zum Bäckermeister alle bedienen, alle Steuern sparen und alle eben primär die sog. Premiumhersteller sponsern. Die Politik ist genau mit denen in einem Boot, breitet die schützenden Hände der Exekutive gern aus.

Zu 3. gibt es offiziell ebenfalls keine Antworten, wird auch zukünftig eine weitgehend dreckig erzeugte Energie dann lediglich sauber verbrannt. Bestenfalls ein Drittel des hierzulande verbrauchten Strom wird regenerativ erzeugt, wie dieser Telepolis-Artikel weiss; und eine Frage muss in dem Zusammenhang schon gestellt werden: ob die Zahl der Windräder oder Solarzellenparks- und Dachflächen noch signifikat gesteigert werden kann.

Insofern ist es wohl sehr gut, dass die großzügigen Förderprogramme zur individuellen (Grüne bitte wegschauen) E-Mobilität kaum Wirkung zeigen. Würde auch nur ein relevanter Teil der weltweiten PKW-Flotte auf Elektrobetrieb umgestellt, dann dürfte die Atomkraft einen neuen Frühling erleben, Kohle- und Gaskraftwerke weiter die Basis jedweder Stromerzeugung bleiben. Ein skurriles, dennoch absolut reales Szenario.

Zu 4. ist es lediglich eine Abwandlung der im vorherigen Punkt genannten Thematik. Seltene Erden und insbesondere Lithium und Kobalt sind endliche Rohstoffe, außerdem auf relativ wenige Gebiete dieser Erde verteilt und werden dort in der Regel unter menschenverachtenden Bedingungen gewonnen. Die bisherigen Rohstoffkriege, die Interventionen der USA und der übrigen sog. westlichen Wertegemeinschaft würden sich lediglich geographisch etwas verschieben; wenn statt Erdöl nun zunehmend Seltene Erden gebraucht werden.

Dazu kommt, dass die Grenzen herkömmlicher Akku-Technik wohl nahezu erreicht sind, wie es diese via der DWN überbrachte Aussage von Samsung nahelegt. Ja, es sind potentielle Bomben, die dann (anstelle des fossil bestückten Kraftstofftanks) in den Farzeugen herumfahren. Dass die Entwicklung von Wasserstoff als Kraftstoffquelle nicht wirklich voran geht, das dürfte ebenfalls an dieser Problematik liegen. Lauter kleine Wasserstoffbomben auf den Straßen; ein Horrorszenario ...

Was dann jedoch, soweit die Aussage von Samsung auch perspektivisch halbwegs korrekt ist, für die eh schon kritischen Themen wie Reichweite und Ladezeit auf absehbare Zeit kaum Hoffnung auf Besserung bietet. Noch größere Batterien im Fahrzeug kosten signifikant mehr, brauchen noch längere Ladezeiten, erhöhen natürlich das Fahrzeuggewicht und sind schlußendlich potentielle Bomben. Womit und ohne dahingehend akademische Weihen besitzen zu müssen, es auch für den sog. Normalbürger klar wird, warum insbesondere LKW aktuell kein Thema für den ekeltromobilen Hype sind, es nicht einmal sein dürfen.

Ein weiterer Aspekt: Schnelladen bedeutet, dass die Akkus bestenfall zu 80 % geladen werden, was dann natürlich bei der erreichbaren Reichweite zu berücksichtigen ist. Und Schnellladen verkürzt nach allem was bislang bekannt ist die Lebensdauer der Akkus doch erheblich. Dass diese Problematik zumindest den Anbietern von E-Mobilen bekannt ist, das zeigt sich an folgendem, nun wohl häufiger eingesetzten Taschenspielertrick. Die Akkus werden zunehmend nicht mehr verkauft, sondern lediglich vermietet. Dem Kunden (den das möglicherweise umtreibt) wird vermeintlich eine Sorge genommen und der Kaufpreis des Fahrzeuges optisch verringert. Dafür bindet sich der Kunde dann komplett, mit Haut und Haaren an den jeweiligen Anbieter - wird das dann ähnlich den exorbitanten Preisen bzw. Gewinnspannen bei originalen Druckertinten vom Hersteller des Gerätes. Jedwede Bastelei mit Fremdakkus dürfte dann umgehend für einen Verlust der Garantie sorgen.

Zu 5. ergibt sich aus den vorgenanntem Punkten dann beinahe zwangsläufig, warum Bund, Länder und Gemeinden bei der Umrüstung ihrer Fahrzeuge auf E-Mobilität nicht konsequent voran gehen. Die sind doch nicht blöd, hätten dann flächendeckend einen BER am Hals ...

Dabei wären für die im öffentlichen Nahverkehr eingesetzten Busse, die vielfach gepanzerten (schweren) Dienstwagen unserer PolitikerInnen sowie andere unter einer öffentlichen Verwaltung eingesetzten, bislang mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge wesentlich bessere Voraussetzungen für einen geregelten Betrieb gegeben, als es für den aktuell gehypten, staatlich geförderten Individualverkehr Stand der Dinge ist. So ein Bus im ÖPNV hat seine festen Touren, seine festen Betriebs- und Ruhezeiten, seinen Stellplatz zur Reinigung, zur Wartung und eben zum Aufladen in der betriebsfreien Zeit.

- - - - -

Abschließend sei hier noch ein weiteres, für die Mehrzahl der potentiellen Kunden (die sind doch ebenfalls nicht blöd) relevantes Kriterium erwähnt. Im Gegensatz zu Norwegen beispielsweise (gern als Beisspiel, als Vorreiter in Sachen E-Mobilität genannt) lebt die Mehrzahl der Menschen hierzulande nicht im eigenen Haus, sondern primär in Mehrfamilienhäusern; egal, ob als Eigentumsanlage oder -überwiegend- in Form von Mietwohnungen realisiert.

Abgesehen von kleineren Eigentumsanlagen, wo sich die Eigentümer ggf. schnell über die entsprechenden Installationen und Kosten einigen könnten, wäre die Konsequenz eine dann notwendige flächendeckende Verkabelung des öffentlichen Straßenlandes in Sachen Ladeinfrastruktur. Wie das gehen soll, sowohl rein technisch, als auch bezüglich der Möglichkeit eines gesicherten Zugriffs über entsprechend lange Ladezeiten, bezüglich der Abrechnungsmodalitäten etc. - darüber kann man ebenfalls so gut wie nichts hören oder lesen, nichts Kompetentes und erst recht nicht Offizielles.


Und wenn man mich fragt, was niemand wirklich tun wird ...

# Einführung einer generellen Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen von 120, schlimmstenfalls 130 km/h

# Begrenzung der Steuervorteile für Dienstwagen auf 40.000 Euro (Neupreis). Mehr braucht kein Mensch, kein Politiker, kein Manager

# Autofreie Innenstädte mit standardisierten E-Mobilen von maximal 7,5 Tonnen für den allfälligen Lieferverkehr

# Regierungsamtliche Vorgabe für die Messung echter Verbrauchwerte und realer Schadstoffemmissionen

# Ein Beschäftigungs- bzw. Förderprogramm zur Erneuerung der zunehmend maroden Verkehrswege-Infrastruktur; incl. der Fahradwege!

# Neuauflage der Überlegungen -nebst zeitnaher Umsetzung- was die Verlagerung der Güterverkehrs auf die Schiene betrifft

Habe ich noch was vergessen?


Nachtrag 03.08.2017:

Die aktuellen Vereinbarungen zeigen einmal mehr diese demonstrative Verlogenheit, diese enge Verwobenheit  von Autoindustrie und Regierung hierzulande. Ein kleines Stückchen Software soll es nun richten, den Schadstoffausstoß auch bei realen Bedingungen (nicht nur im Labor) unter den weiterhin großzügig auszulegenden Grenzwerten halten. "Abgas-Anarchie" nennt Jens Berger das bei den Nachdenkseiten; wohl nicht zu unrecht..

Unglaublich, spricht der Laie; und der Fachmann wundert sich. Das alles passiert dann wohl auch noch ohne Leistungseinbuße und ohne Mehrverbrauch. Denn das sind ebenfalls per Angebot und Kaufvertrag zugesicherte Merkmale. Warum nicht gleich so, wenn es doch soo einfach ist.

Man kann also nur wünschen und hoffen, dass sich die Judikative hierzulande bei dieser Thematik wirklich unabhängig und eben geltendes Recht durchsetzend zeigt, die angekündigten Sammelklagen durch unabhängige Sachverständige  flankiert, den anhaltenden Tricksereien, sprich: dieser neuen Schummelsoftware einen Riegel vorschiebt.

Kommentare

In der Summe sind es natürlich viel zu viele ( mit nem Verbrauch pro KM da fällste tot auf den Rücken) - warum soll ich in der Eifel getrocknete Kuhscheiße aus Bayern kaufen?
Aber die Dinger haben heute regelmäßig ein auf Harnstoff basierendes Abgassystem das deutlich weniger Gift absondert. Das ist auch längst für PKW' verfügbar, sogar für die abgasgetürkten 'Euro 6' Dinger inzwischen klaglos nachrüstbar - aber zu (im Schnitt) 2500 Euronen - das mindert die Rendite und ist den Betrügern von den herstellenden Gangs natürlich vieeeeel zu teuer.

Hierzulande werden die Betrüger nett gefragt wie sie's denn gern aus der Kacke hätten.......
Davon können wir dummen Eierdiebe nur träumen.

Bild des Benutzers Bernd

dass die neueren LKW heute relativ sauberer sind als die PKW.

Aber absolut und durch die schiere Masse stellt sich mir schon die Frage, warum das in der aktuellen Diskussion kein Thema ist. Mittwoch war ich in familiärer Gefälligkeit fauf dem südöstlichen Berliner Ring (A10) unterwegs. Es war die Hölle, stop&go und flächendeckend zu; gefühlt rund die Hälfte der Fahrzeuge waren LKW jedweder Größe und jedweden Alters, jedweder europäischer Nation.

Deckt sich in der Erfahrung mit meinen anderen Touren in jüngster Zeit. Und noch ein Punkt:

Die Parkplätze an der Autobahn sind ebenfalls flächendeckend zu mit LKW; manchmal stauen die sich zurück bis in die Einfahrt, auf die Autobahn selbst. Und bei der Hitze röhren auch im Stand die Motoren, haben teilweise Ware geladen, die gekühlt werden muß. Oder die Fahrer und mehr als verständlich, die brauchen auch etwas Kühlung, sollten ihre Ruhezeiten einhalten.

Gaaanz köstlich auf den Punkt gebracht:

"Entwarnung! Die giftbelasteten Eier, die Aldi Nord und Aldi Süd zurückgerufen haben, bekommen ähnlich wie die deutschen Dieselautos ein Software-Update. Danach kann man sie wieder unbedenklich nutzen.
........
Mit dem Update werden gesundheitsgefährdende Substanzen garantiert nicht mehr zu finden sein“, versprechen die holländischen Hühner reumütig, die offenbar schon seit Längerem bei den exakten Werten ihres Schadstoffausstoßes geschummelt haben.

Da Umbauten an den Legehennen von der Eierindustrie als zu kostspielig abgelehnt werden, erscheint die Softwarelösung als ähnlich guter Kompromiss wie das Software-Update bei den rund 5,3 Millionen vom Dieselskandal betroffenen Autos in Deutschland.

In Regierungskreisen zeigt man sich erleichtert. Dort hatte man befürchtet, dass es infolge des drohenden Eierengpasses in Deutschland zu einer dramatischen Cholesterin-Unterversorgung innerhalb der Bevölkerung kommen könnte."

Quelle: https://www.welt.de/satire/article167378415/Eier-von-Aldi-bekommen-Softw...

Bild des Benutzers Bernd

Was in Konsequenz dieses Artikels  obige Fragestellungen bestätigt.

Weder die Herstellung der Batterien, noch deren Wirkungsgrad bezogen auf eine erzielbare Reichweite sind mometan auch nur annähernd dem vergleichbar; was aktuell Verbrennungsmotoren, eben auch Dieselmotoren liefern können.