29 Apr 2014

High Noon in der Medienbranche?

Submitted by ebertus

Der sog. "eingebettete Journalismus" in spezifisch bundesdeutscher Spielart ist längst unter uns, auch wenn wir gern positiv denken, Edward Snowden als "Türöffner" unbesehen akzeptieren.

Das Desaster kommt dreistufig daher, mindestens...

Im ersten Schritt ging es lediglich um die Technik, welche die Erstellung und Verbreitung von Journalismus mittels massivem IT-Einsatz befördern, gleichzeitig die Kosten für Herstellung und Vertrieb senken kann. Dass bei sinkenden Kosten prinzipiell jeder gleichzeitig Sender und Empfänger sein darf, dieser Aspekt, diese Gefahr war anfangs den Etablierten noch keinen Gedanken wert.

Dann der zweite Schritt und das Grauen des Web 2.0 oder auch die Idiotae 0.0 (Bernd Graff/SZ) bereits fest im Blick, da wurde der hehre Qualitätsjournalismus wie das sprichwörtliche weisse Kaninchen aus dem Hut gezaubert. Ein Journalismus, der natürlich seinen Preis wert sein muss, soweit die herkömmlichen Strukturen dann eins zu eins in die Netzkultur umgesetzt werden. Technisch keinesfalls trivial und dumm nur, dass das mit dem Ruf nach Paycontent irgendwie dem Pfeifen im dunklen Wald gleicht; jedoch, nichts Genaues weiss man (noch) nicht.

Stattdessen und nun im beinahe unfreiwilligen dritten Step geht es über die betriebswirtschaftlich gern gesehene "schwarze Null" hinaus, wird auch die andere Seite der Medaille einer Revision unterzogen. Und diese bittere Wahrheit, ob in Gestalt von Paul Sethes 200 Reichen oder dem bekannten Propagandamodell des Noam Chomsky braucht nicht einmal mehr den ansonsten zu Reflektion fähigen intellektuellen, gar akademischen Hintergrund.

Der Doppelschlag von Ukrainekonflikt gepaart mit diesen neuen Montagsdemos zwingt die formellen wie informellen Herren des medialen Stammtisches zum Offenbarungseid; einem schon beinahe als panisch anzusehenden Schließen der Reihen, dem faktischen, nun auch offen zugegebenen Einordnen unter "Die Herren der Welt" (nochmal Chomsky).

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Es gibt jedoch, und dies ist wohl weitgehend eine deutsche Besonderheit, einen substantiellen Bereich an Medienkultur (oder auch Propaganda), welcher sich -ganz wie die immer wieder neu geretteten Banken- dem Lauf der Dinge an Kapitalakkumulation, Gewinnfetisch, Angebot und Nachfrage, gar Insolvenz im Falle des zumindest betriebswirtschaftlichen Scheiterns vollkommen entzogen hat.

"Embedded Journalism"und in Verbindung mit der NYT bereits thematisiert, der ist in dieser spezifisch deutschen Spielart bereits unter uns. Es ist, Vorhang auf...


die öffentlich-rechtliche Grundversorgung.


Nun mag es sein, das die genossenschaftlich aufgestellte taz mit diesem Artikel von Brüder(n) und Schwestern lediglich ihrem Ärger Ausdruck verleihen wollte, (noch) nicht dabei sein zu können. Es sind jedoch aus meiner Sicht sehr berechtigte Fragen, die nach dem

"Wer bezahlt dabei was? Und wer übt Kontrolle aus?".

Was da nach dem Andocken via Snowden perspektivisch noch so alles möglich ist, darüber darf gern spekuliert werden. Bin zwar kein Jurist, jedoch scheinen mir sehr substantielle Fragen bzw. die Rahmenbedingungen der Einbettung dieses Verhaltens nicht nur den am Ende des taz-Beitrages erwähnten "Rundfunkstaatsvertrag" massiv zu tangieren.

Weiter im (taz-)Text:

"Wenn sich immer mehr Journalisten verbrüdern, stellt sich aber die Frage, ob die noch unbefangen berichten können über etwaige Sauereien bei einem der Partner. Dass durch Kooperationen Abhängigkeitsverhältnisse entstehen, sei zumindest „eine abstrakte Gefahr“, sagt Karl-Heinz Ladeur, emeritierter Rechtsprofessor der Uni Hamburg und unter anderem spezialisiert auf Medienrecht."

Wer wird da gleich an eine Verschwörung denken, wo die Gefahr doch lediglich abstrakt ist? Selbst bei Chomsky wird darauf abgehoben, das es ja gerade um ein nicht-verschwörerisch handelndes Propagandasystem geht; man kennt sich, man hat gleiche bis ähnliche Interessen, man bildet informelle Seilschaften, man wollte bzw. darf sich schlußendlich nur nicht erwischen lassen...

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Ist das die Antwort auf die sog. Medienkrise?

Die privaten Big Player der Branche oder gar der zwangsfinanzierte Staatsfunk, die haben -und erst recht zusammen- noch kein wirkliches Problem, weil das Betriebswirtschaftliche, die sog. schwarze Null (oder mehr) und auch die via tangierender Geschäftsbereiche mögliche Generierung von Umsatz und Gewinn, das ist ja nur die eine Seite der Medaille; die notwendige Exekution des erwähnten Propagandamodells die andere.

Aber die mittleren und kleineren Medien, ohne Nischenthema und dahingehend zahlungswillige Klientel, das Gesamtgesellschaftliche adressierend und dennoch schnöder Betriebswirtschaft unterworfen, die werden zunehmend ein Problem bekommen, ein sehr existentielles.

Ob Genossenschaften wie die taz, die JW, oder eben Startups, gar Investorenmodelle wie derFreitag, so ist deren Finanzierungsspielraum in der Regel nicht so üppig, geht es möglicherweise auch schon mal gegen null oder gar darunter. Diese kleineren Medien müssen beinahe um jeden Käufer selbst von Einzelausgaben und mehr noch um jeden potentiellen Abonnenten kämpfen und bangen.

Betätigen sich die ÖR's nun gar noch als Untertaker...?