23 Nov 2013

Freitagsnabelschau, die dreihundertachtundvierzigste

Submitted by ebertus

So eine gepflegte Nabelschau von in der Regel anonymen Avataren, Reinkarnierten und anderen Virtuellen ist immer mal nötig; auch und gerade beim Freitag, wo zumindest verbalsprachlicher Intellekt aus jeder Pore kriecht, aus jeder Zeile dessen, der sich berufen fühlt - herabzuschauen.

JR'S CHINA BLOG war mir bislang noch nicht so wirklich aufgefallen, weder positiv noch negativ. Vielleicht nur deshalb, weil er weder einen aggressiv-sexistischen Gestus, noch den gespreizt abgefahrenen Qualitätshype in den/seinen eher konventionell-konservativen Vordergrund stellt. Und auch im hier verlinkten Blog kommt er etwas durch die Hintertür, hebt ein Stück weit auf kommentatorisch hoch frequentierte Religionsblogs, gerade durch laizistische Exorzisten ab und stellt dann fragend fest:

Meine erste Vermutung war die, dass die FC sich vielleicht von der eigenen Sterblichkeit provoziert fühle. Wer glaubt, ist ja unsterblich, oder glaubt das jedenfalls. Aber da hülfe es einem profaneren Zeitgenossen ja auch, mitleidig auf die frommen Illusionisten herabzusehen, weil er mehr weiß als die Frommen. Aber dass er mehr weiß, will er den Frommen dann auch noch unbedingt mitteilen. In bis zu fünfhundert Kommentaren!

Ja, das mit der eigenen Sterblichkeit mag schon sein, vice versa auch für den Blogautor gültig, der in vielen (derartigen) Blogs kommentatorisch dagegen anschreibt. Aber weil das eben wohl noch nicht reicht, um in die gepflegte Spitze der FreitagsmatadorInnen vorzustoßen nun eben dieser Blog. Dass die Nabelschau thematisch breit angelegt, gar ausbaufähig ist, das zeigt der weitere Blogtenor und zeigen dies mehr noch die dann folgenden kommentatorischen Einlassungen. Aber bitte selbst lesen und genießen...

Qualitätsblogger Columbus ist nach seinem Magda-Furor, nach rund vierwöchiger Pause wieder da (es fehlt nur noch der eddy, letztens im Kindergarden ein wenig unseriös abgestürzt - und ward seither nicht mehr gesehen. Schmunzeln ist meinerseits angesagt, wenn sich eine DvW dann an dem religiösen Multinick abarbeitet; implizit auch an dessen mehrfachen Inkarnationen auf verschiedenen Plattformen. Ja, so etwas soll es geben, auch bei denen, die der Kommentatorin inhaltlich möglicherweise näher stehen; was dann mit Sicherheit etwas gaaanz Anderes wäre, oder?

@MIAUXX sieht die Intention des Blog sehr nüchtern, grundsätzlich zugleich und benennt den Text als das, was er beinahe ausschließlich darstellt: eine Nabelschau einschließlich dem sich Absetzen dem Draufschauen des Blogautors. @AUSSIE42 bleibt relativ sachlich und den (vorläufigen) Abschluß liefert die wohl nun als @SCHMALZ-TALG wiederauferstandene Reflexione, Galore etc. Alles neu macht der Nick; oder so... Dennoch, @Alien59, die ehemalige Freitagsbloggerin als Konvertitin zu entlarven, dies zumindest zu unterstellen, das hat schon was Ernsthaftes, sind möglicherweise alte Rechnungen noch offen. Wobei, so vollkommen abwegig ist das nicht, wenn die Reinkarnierte und natürlich ohne Blick (zurück) bzw. den Spiegel dann schreibt:

Jeder müsste doch sehen, dass sich insbesondere in Internetforen überproportional viele "Spinner" aufhalten, bei deren mangelhaften Sozialverhalten es auch nicht wundert, dass sie genau dort landen, denn im RealLife muss es für diese Leute ja noch anstrendender sein, klarzukommen.

Forenboy et al. - wo seit ihr...? Neuer Nick, neues Glück; oder so ähnlich. Ein Stück weit auch meine Erfahrung, positiv wie negativ und insofern kein Ausschlußkriterium. Ich mag SpinnerInnen -bin vielleicht auch einer- und dies formal wie inhaltlich zu beurteilen, das erheische ich mir -sehr subjektiv- selbst an. Dennoch einmal mehr, und hier abschließend geschrieben: Anonymität als passiv gelebte, in der Forenwelt zelebrierte Schutzfunktion hat meine volle Unterstützung und Sympathie! Aber diesen Ratschlag, dieses Statement, diese Vergewisserung brauchen die im genannten, ein wenig auf die berühmte Schippe genommenen Blog wohl eher nicht. Sie ruhen in ihrer wissenden, auch gern mal entrüsteten, ansonsten in der Regel von außen draufschauenden Anonymität in sich selbst!

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Man muss es dennoch wohl zugestehen. Der Freitag ist nach meiner Information das einzige und auch noch halbwegs relevante Medium, bei dem man sich nicht nur anonym anmelden kann, sondern anschließend den Communitybereich auch noch vollkommen frei fluten darf. Moderation findet eher nicht statt und dies ist für mich nur im Ausnahmefall (von offensichtlicher rechtlicher Relevanz beispielsweise) eine Frage des Inhalts. nein, es ist dieses quantitative Abkippen von Text etc. und ohne ernsthafte Beteiligung an den Diskursen dort beim Freitag. Hier mag ich an JR'S... anschließen, wenn er von "Sterblichkeit" spricht, möglicherweise so nicht gemeint.. 

Der Freitag wird daher und beinahe aus Selbstschutz gewisse Regularien für die Teilnahme einführen (müssen). Eine Möglichkeit, von Augstein wohl sehr grundsätzlich erwogen, ist der sog. Paywall, welcher den Communitybereich natürlich mit einschließen wollte. Damit werden gleich mehrere Problemfelder adressiert, von der via kostenpflichtigem Abo (zumindest gegenüber der Moderation) nicht mehr existierenden Anonymität bis hin zu der dann nicht mehr gegebenen, bislang eben kostenlosen Eigenvermarktung der Einkipper. Anonyme Kommentare (keine Blogs) könnte der Freitag dennoch zulassen, nur würden/müssten sie -und im Gegensatz zu den via Kostenschranke quasi verifizierten- nicht sofort veröffentlicht; könnten in verkehrsarmen Zeiten von der Minimalmoderation erst einmal angeschaut werden. Allein der Zeitversatz bis zur (eben auch Nicht)Veröffentlichung schreckt Einkipper mit Sicherheit massiv ab. Für qualitative, der Moderation genehme Texte -auch wenn die Teilnahme der Autoren an den Diskursen fehlt- könne es ja neben Redaktion und Community noch einen weiteren (Casting)Bereich, eine Art Laufsteg geben, wo hoffnungsvolle Nachwuchsjournalisten ihre Arbeitsproben abliefern, Fingerübungen machen können.

Nur ist die Einführung von Paycontent eine sehr grundsätzliche Entscheidung mit diversen offenen Parametern und Risiken, weit über das Thema einer bloggenden und kommentierenden Community hinaus. Gerade diese Tage und mit Bezug auf einen weiteren Freitagsblog wurde diese Problematik meinerseits -und einmal mehr- etwas hinterfragt. Die (sog.) Medienkrise ist durchaus Realität und da geht es nun wirklich um Inhalte und mögliche, zahlungsfähige wie zahlungswillige Zielgruppen.

 

Freitags PayContent?

Vielleicht hat Jakob Augstein doch recht, wäre es sinnvoll, die (feel free) Spreu vom Weizen zu trennen, soweit der Freitag nebst Community dann endlich Paycontent würde.

Man muss es wohl zugestehen. Der Freitag ist das einzige und auch noch halbwegs relevante Medium, bei dem man sich nicht nur anonym anmelden kann, sondern anschließend den Communitybereich auch noch vollkommen frei fluten darf. Moderation findet eher nicht statt und das ist aus meiner Sicht richtigerweise nur im Ausnahmefall (dem von offensichtlicher rechtlicher Relevanz beispielsweise) eine Frage des Inhalts. Formale Beschränkungen sind das, was jenseits von Zensur zu leisten wäre.

Der Freitag wird daher und beinahe aus Selbstschutz gewisse Regularien für die Teilnahme einführen (müssen). Eine Möglichkeit, von Augstein wohl sehr grundsätzlich erwogen, ist der sog. Paywall, welcher den Communitybereich natürlich mit einschließen wollte. Damit werden gleich mehrere Problemfelder adressiert, von der via kostenpflichtigem Abo (zumindest gegenüber der Moderation) nicht mehr existierenden Anonymität bis hin zu einer dann nicht mehr gegebenen, bislang eben kostenlosen Eigenvermarktung der sich an den Diskursen hier eher nicht beteiligenden Einkipper.

Anonyme Kommentare (keine Blogs) könnten dennoch zugelassen werden, nur sollten sie -und im Gegensatz zu denen via Kostenschranke quasi verifizierten- nicht sofort frei lesbar sein; könnten in verkehrsarmen Zeiten von der Minimalmoderation erst einmal quergelesen werden. Die taz macht dies nach ihrem Relaunch wohl in ähnlicher Art und Weise. Allein der Zeitversatz bis zur (eben auch Nicht)Veröffentlichung schreckt Einkipper, Missionare, Trolle etc. mit Sicherheit massiv ab.

Für qualitative, der Moderation genehme Texte -auch wenn die Teilnahme der Autoren an den Diskursen (weitgehend) fehlt- könne es neben Redaktion und Community noch einen weiteren (Casting)Bereich, eine Art Laufsteg geben, wo hoffnungsvolle, hoffnungsfrohe Nachwuchsjournalisten ihre Arbeitsproben abliefern, Fingerübungen machen können.

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Nur ist die Einführung von Paycontent eine sehr grundsätzliche Entscheidung mit diversen offenen Parametern und Risiken, weit über das Thema einer bloggenden und kommentierenden Community hinaus. Gerade diese Tage und mit Bezug auf einen weiteren Freitagsblog wurde diese Problematik zum Aufscheinen gebracht. Die (sog.) Medienkrise ist durchaus Realität und da geht es nun wirklich um Inhalte und mögliche, zahlungsfähige wie zahlungswillige Zielgruppen, wie gerade meinerseits im GvG-Blog und ohne wirkliche Resonanz hinterfragt.

Natürlich, man kann es auch mit technisch-optischem Overkill versuchen; jedoch nicht so mein Ding als Konsument. Und btw... die Buchbranche hat ja ein ähnliches, wenngleich nicht identisches Problem. Virtueller Paycontent an sich und darüber hinaus in proprietärer Form muss wohl grundsätzlich einher gehen mit rudimentärer bis gar detaillierter Überwachung des Kunden nebst verschiedener, mehr oder weniger spürbarer Restriktionen.

Insofern und wenn die Kündigungsfrist nicht gerade 99 Jahre beträgt, so würde ich mich bei einem Pay-Freitag mit Sicherheit gern anmelden; mal schauen wer noch...?