5 Jun 2010

Fürsorgliche Belagerung

Submitted by ebertus

Aktuell geistert eine Meldung durch den im Grunde bereits sehr stromlinienförmigen, sich zunehmend selbstzensierenden Medienwald, nach der die "Rundfunkreferenten der Bundesländer" prüfen wollen, ob das Geschäftsgebaren von Apple bezüglich der dort, im App-Store zugelassenen Inhalte für iPhones, iPads etc. rechtens ist. Was für ein Schwachsinn, diese "Prüfung".

OK, einen Vorteil hätte der ggf. damit einhergehende Medienhype. Auch intellektuell etwas zu kurz gekommene MitbürgerInnen und (potentielle) NutzerInnen können darüber nun (theoretisch) auf eine gewisse Zensur schließen, dessen was ihnen da im Apple-Store angeboten wird. In eigenem Interesse sicherlich, denn neben den gefilterten Nackten könnten so manche der eher gesellschaftspolitischen Inhalte - gern auch Karikaturen, Satire etc. - das unbedarfte, reine Wesen des freudigen App-Konsumenten schon mal verwirren. Apple weiss natürlich, was für seine Kunden gut ist, betreibt nichts anderes als eine wohlmeinende Fürsorge.

Und die rechtliche Dimension? Dies zu prüfen, ggf. in realen Verfahren versuchsweise durchzusetzen könnte zwar einige, auf derartigen Schwachsinn spezialisierte Anwälte und andere "Sachverständige" etwas reicher machen, mehr aber wohl nicht. Der partiell noch vorhandene, gesunde Menschenverstand dürfte das bereits entschieden haben. Ein privater Unternehmer darf in seinem privaten, ohne staatliche Zuschüsse, Beteiligungen, Auflagen etc. betriebenen "Laden" verkaufen was er will; oder eben auch nicht verkaufen. Die Grenze liegt bestenfalls - und das wäre/ist auch gut so - bei Dingen, die gegen geltende Gesetze und Vorschriften verstoßen - wo der Jugendschutz, eine ggf. verbotene Gewaltverherrlichung, Diskriminierung oder zu unterlassende "Dritte Reich"-Symbolik etc. nicht entsprechend beachtet werden.

Der generelle Ausblick mag "erfreulich" sein, das segensreiche Wirken von Zensursula(s) zukünftig nicht einmal mehr notwendig. Und Apples kastriertes (sorry for that) Equipment wäre gar erste Wahl als Arbeitsgerät im (katholisch)- kirchlichen Umfeld. Für selbst recherchierende Politiker und (angebliche) Sachverständige natürlich ebenfalls. DNS- oder gar IP-gesteuerte Stoppschilder sind da überhaupt nicht mehr nötig. Mehr noch, einmal angemeldet könnte im Sinne des Delinquenten sofort eine Verzweigung erfolgen, zum (eigenen) Therapeuten oder anderen, zielführenden Dienstleistern; die beinahe als Abfallprodukt damit einhergehende Registrierung des "Applers" als "Gefährder" ist dann natürlich ebenfalls fürsorgliche Realität zum Schutze der reinen, sauberen Volksgemeinschaft.