7 Okt 2014

LaterPay II

Submitted by ebertus

Der nächste Herr, dieselbe Dame... Bezahlmodelle für mediale Inhalte zu erfinden ist ja nun beinahe zum (Überlebens)sport für die Branche geworden. LaterPay reiht sich dahingehend fast nahtlos ein.

Allerdings ist das Modell der Krautreporter -wenn es dann mal kommt, wann und wie nicht zuletzt- gegenüber dem von LaterPay wirklich "transparent" zu nennen. Wesentliche, noch offene Fragen zu den Krauties sind hier gleich mal in einem Blogtext abgehandelt.

Der grundsätzliche Unterschied zwischen den beiden Modellen hier nochmal in Kürze: Bei den Krautreportern, deren Inhalte grundsätzlich frei lesbar sein sollen, da zahlst Du vorab und gleich für ein ganzes Jahr im voraus; primär wegen der sog. Benefits und nicht zuletzt aus Solidarität mit dem Projekt.

Bei LaterPay dagegen können einzelne Beiträge ganz selektiv hinter einer Bezahlschranke versteckt sein und wenn Du sie anklickst, dann darfst Du sie lesen. Es wird Dir jedoch, als ein gegenüber dem System bzw. dem Anbieter zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen anonymer Konsument dann mitgeteilt, dass Du gerade irgendwie ein paar Cent für genau diesen Inhalt gezahlt hast, dass Du Dich ab einer irgendwann mittrackend aufgelaufenen und irgendwo erfassten monetären Größenordnung registrieren lassen, in echt zahlen musst; oder eben so für lau möglicherweise (siehe weiter unten) nicht weiter lesen/kaufen darfst...

Klingt wie die Quadratur des Kreises, ohne Registrierung dennoch irgendwie registriert, getrackt zu werden. Ist das nun genial? Oder lediglich eine Variante von genialer Bauernschläue, dieses Bierdeckel-Prinzip? Gut Ding will Weile haben und nun, rund sechs Monate nach dem Artikel bei Meedia versucht sich der erste Big Player hierzulande an dieser Variante:

"Wie ein Unternehmenssprecher DWDL.de bestätigte, wird LaterPay bei der "Hamburger Morgenpost" ab der Mitte des vierten Quartals getestet. Betroffen sind "exklusive Mehrwerte oder Serviceleistungen", nicht aber die tagesaktuellen Nachrichten."

Sieht aus, wie der Griff nach jedem, an der Branche vorbei schwimmenden Strohhalm und die Zeiten sind, wie man gleichzeitig lesen kann, überhaupt nicht rosig.

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Zurück zur genannten Quadratur des Kreises, dem tracken ohne getrackt zu werden. FairTrack-System nennt sich das bei LaterPay; klingt doch schon mal gut, fair zumindest. Aber dann kommt es

"Ein Gerät (PC, Notebook, Smartphone) kann mit entsprechendem Aufwand so manipuliert werden, dass es die Zahlung durch LaterPay umgehen kann."

in bekannt diffus gehaltener, ggf. Schuldgefühle erzeugender Manier. Nicht erst seit Snowden -und erst recht nicht wegen Laterpay- gibt es Diskussionen, wie die bekannten Cookies (und mehr) mit simplen Bordmitteln, einer entsprechenden Browserkonfiguration oder durch separate Add-ons zu unterbinden sind, wie also der original Browser-Fingerprint zu manipulieren ist.

Nein, das ist kein entsprechender Aufwand, das ist heute die sicherheitstechnisch angezeigte, die halbwegs konsequente Standardkonfiguration; mal ganz abgesehen von  Sandboxies, von IP-Proxies, gar VPN-Tunneln. Oder darf das FairTrack-System, müssen dessen Zugriffsmöglichkeiten (wieder) kompatibel zu NSA, BND, Redtube etc. ausgelegt werden???

"Wenn also auf einem Gerät häufiger Probleme bei der Bezahlung der Einkäufe auftreten, müssen wir den Nutzer bitten, sich vor dem nächsten LaterPay Kauf mit seinem Nutzerkonto anzumelden."

Na, so häufig wird man das System möglicherweise dann doch nicht nutzen und abschließend sei noch ein Argument wider die geniale Bauernschläue erwähnt. Was nützt der bestens getrackte Fingerprint an einem Gerät, wo es heute üblich ist, mit verschiedenen Geräten, unterschiedlicher Zugangstechnik bzw. Zugangswege auf das Netz zuzugreifen. Morgens mit PC/Notebook im heimischen WLan, unterwegs in Bus und Bahn mit dem Tablet, im Büro oder an der Uni -und soweit Muße- mit der dortigen Technik und so weiter und so fort...

Ergo: LaterPay dürfte ein weiteres faktisches Bettelsystem werden, bei dem sich die erwartbar wenigen Teilnehmer dann à la Flattr bestenfalls gegenseitig füttern; der schlußendlichen Einstellung anheim gestellt, sobald das Startkapital aufgebraucht ist, das jeweilige Controlling die Reißleine zieht.