23 Dez 2015

Mannheim, Söhne und Gäste

Submitted by Bernd

Privat, so ganz persönlich habe ich zu Mannheim, den dort lebenden Menschen eigentlich keinerlei Beziehung und mochte bislang nicht mal die Musik von Xavier Naidoo. Im beruflichen Kontext und was eben Mannheim und dessen Umgebung betrifft, so war das ganz anders; und eine gewisse Privatheit dann beinahe zwangsläufig.


Titelbild: Screenshoot des entsprechenden Videos bei YouTube


Erst im Laufe der Auseinandersetzungen um die ESC-Teilnahme von Xavier Naidoo -hier kein Thema- kam mir die eigene Historie, die eigene Erinnerung an Mannheim (und Umgebung) wieder in den Sinn. Und Titel wie den oben eingebetteten, aufgenommen wohl am 11.07.2015 im Ehrenhof vom Schloss Mannheim finde ich schon gut, live gespielt dann sowieso. In Bild und Ton qualitätshaltig eingefangen, so ist auch Naidoo lediglich ein Bandmitglied, ist das nicht dieser dahinleiernde, sich penetrant wiederholende Sprechgesang; den ich eben nicht so mag.

Wer den Text zu obigem Stück nachverfolgen möchte, wird hier fündig.

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Ok, und was verbindet mich nun mit Mannheim? Anfang der Jahrtausendwende war ich das erste Mal dort, hatte in MA-Käfertal ein kleines Büro in Sachen IT und Telekommunikation zu modernisieren. Etwas später dann war sogar ein ganz neuer, mittelgroßer Standort in MA-Sandhofen zu errichten, war ich in Planung und Umsetzung von Anfang an dabei, lebte zweitweise aus dem Koffer, im Hotel. Und ab dem Herbst 2006 wurde ein neuer Standort in MA-Neckerau zum Zentrum der Company im Südwesten Deutschlands. Ich selbst, des vielen Fahrens, Pendelns aus Rhein/Main oder gar Berlin schon manchmal müde, ich mietete mir dann für 2007 eine kleine Zweitwohnung in Schwetzingen.

Schwetzingen, auf halben Wege zwischen Heidelberg und Mannheim gelegen ist nett. Der Schloßgarten, die kleine Innenstadt und dann die großen Waldgebiete bis nach Hockenheim und weiter, sie sind ideal zum Joggen und zum Fahrradfahren. Denn wenn man erstmal dort wohnt -und sei es eine in einer beruflich bedingten Zweitwohnung- so ist neben der Arbeit auch eine gewisse Freizeit dort in der Gegend zu verbringen.

Heidelberg btw. ist sauberer, vornehmer, öder vielleicht, so mein Eindruck. Mannheim dagegen rauher, dreckiger, lebendiger. Nach Heidelberg, in die dortige Fußgängerzone fuhr ich -gut beparkt in einer Tiefgarage- zum Einkaufen, waren dort auch andere Dinge zu erledigen; mal ein Arztbesuch, eine Brille bei Fielmann und ähnliches. Nach Mannheim in die Quadrate, die Innenstadt, zum Kinobesuch oder zum einfach Schlendern dagegen fuhr ich gern am Abend, am Wochenende, in der Regel mit mit dem Zug.

2007 war auch die Zeit, wo ich in der Community der SZ sehr aktiv war, mehrere Menschen dann persönlich kennen lernte; und einer wohnte gar ebenfalls in Schwetzingen, war aber auf dem Sprung nach Berlin, nicht motorisiert. Dass passte dann gut, war er mir oft ein angenehmer Beifahrer, soweit eben nicht das Wochenende dort verbracht, sondern auf Heimaturlaub.


Zu Schwetzingen gibt es hier auf der Website drei kleine, bislang noch sehr sparsam bebilderte Blogtexte:

Schwetzingen, der Schloßgarten      - - - - -      Schwetzingen, Die Zweite     - - - - -      Schwetzinger Claqueure

Weitere Bilder sind vorhanden und werden irgendwann den Texten zugeordnet. Insbesondere die Claqueure haben es mir angetan. nutze ich sie gern als Avatar. Das Bild ist im Sommer 2007 entstanden, als mich Freunde in Schwetzingen besuchten, wegen meiner kleinen Zweitwohnung im Hotel untergebracht wurden, wir dann am folgenden Tag einen ausführlichen Spaziergang durch den Schloßgarten und die kleine Innenstadt absolvierten.

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Und dann wären da noch drei Filme zu nennen, die ich -nach meiner Erinnerung 2007/08 in den Mannheimer Quadraten, einem kleinen Programmkino dort gesehen habe, über die auch bei der SZ-Community ausführlich diskutiert wurde. Jeder dieser Werke (die DVD's habe ich mir dann im Nachhinein gekauft) kann, ja muss als eine Art Dokumentation verstanden werden, ist es der hier erstgenannte Film natürlich nur partiell, trage ich die Idee einer vertiefenden Thematisierung via separatem Blogtext nach wie vor im Hinterkopf mit mir herum:

Von Löwen und Lämmern, als eine Art filmische Dokumentation auf drei Ebenen, welche -für mich- fast ausschließlich durch die Dialoge lebt, nach wie vor äußerst aktuelle Bezüge nahe legt. So wird das Kapitel Afghanistan ja gerade neu belebt, nachdem die sog. Westliche Wertegemeinschaft mit dem Brunnen bohren und dem Mädchenschulen bauen durchaus grandios, real jedoch eher tragisch gescheitert ist.

Shut up and sing, in echt dokumentiert und zusammen geschnitten. Diese Kontroverse um die Dixie Chicks, eigentlich eine Band vom Geschmack der Bush-Krieger, so machte sie frühzeitig klar wo sie stehen,, was sie die Country-Mädels von Bush und seinem Krieg gegen den Terror halten. Dass sie recht hatten, diese ihre emotionale Aussage ideell wie faktisch bestätigt wurde, das ist inzwischen wohl historisch gefestigtes Allgemeinwissen, nicht zuletzt erwiesen durch die Lügenbotschaft von Colin Powell vor den UN. Die Doku gibt es meines Wissens nur im englischsprachigen Original, in minderer Qualität gar frei im Internet. Auf der DVD jedoch sind deutsche Untertitel vorhanden, reicht das auch ohne Englischkenntnisse zum Verständnis -selbst des Sprachwitzes- weitgehend aus.

Wenn Ärzte töten ist eine hochpolitische Dokumentation in englischem Originalton, jedoch ebenfalls mit deutschen Untertiteln. Auf den ersten Blick weniger aktuell und doch von großem Tiefgang erscheinen mir die Gespräche mit dem Psychiater Robert Jay Lifton, der seinerseits aus den von ihm gemachten Intervies mit überlebenden deutschen KZ-Ärzten berichtet. Auf diesen Trailer sei hingewiesen und mehr als bei der Doku zu den Dixie Chicks ist hier das wenigstens rudimentäre Verstehen der englischen Sprache wohl relevant für ein tieferes Verständnis. Für mich besitzt der Aufnahmeort  an der Küstenlinie von Cape Cod (aus eigenem Erleben) einen gewissen Wert, hatte die Kameraführung noch einen weiteren Aspekt. Die subtil beim Zuhörer ankommende Greul, von der Lifton berichtete, direkt oder auch lediglich in Andeutungen, in Halbsätzen, das wollte erst einmal verarbeitet werden. Die Dramaturgie der Doku ist so angelegt, dass es nach derartigen Sequenzen immer mal einen Kameraschwenk auf das weite Küstenpanorama von Cape Cod gibt, das schon manchmal fassungslose Mitdenken sich erholen kann.

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Friedlich, das bevorstehende Weihnachten 2015 fest im Blick, so mag dieser Blogtext mit zwei optischen, akustischen Schmankerln enden.

Die Söhne Mannheims mit "Und wenn ein Lied..." sowie die Dixie Chicks mit "Not ready to make nice"  (HQ-intern)
 

Kommentare

Grüße

eines ehemaligen Schwetzinger Bürgers.

Achtermann

Bild des Benutzers Bernd

und Gruß zurück.

Marie und meine Wenigkeit sind hier und ganz privat primär in Sachen einer (fast) alles dürfenden Kunst und Kultur unterwegs; wenngleich und als Nachwehen der Berufstätigkeit meinerseits die Macke der kleinen und großen Touren gepflegt wird.

"Ich komm' nur viel zu selten dazu" - wie Udo Lindenberg dazu mal textete.

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