15 Feb 2011

Demokraten an sich oder Demokraten unter sich?

Submitted by ebertus

Wie sehr der Struck'sche Spruch vom Hindukusch stimmt, wir sehen es aktuell in Afrika, im Nahen Osten und demnächst in …: es brennt, Demokratie in Not und das heisst: UNSERE Demokratie gerät in Not, wenn anderenorts die Bürger IHRE Demokratie einfordern und das sogar noch erfolgreich. Die Vasallen der westlichen Welt, Statthalter, geübt im Sessel-Pubsen und Köfferchen-Verschieben gleich im Dutzend ins Exil bzw. auf die Anklagebank?

Ein Beitrag von Ruganer

Da könnte man sie dann besichtigen, die Herren und Damen bezahlte Nenn-Demokraten, die eben gegen Pecunia den echten Demokraten, wie z.B. denen in den USA, in Europa, Deutschland Mühsal und Arbeit erspart hatten, jahrzehntelang.
Nun sind sie weg und ich hoffe, der Aderlass geht munter weiter. Ein Abschied von Figuren unsäglichen Ausmaßes, ja, auch der Schah von Persien und Sadam Hussein waren einstmals Stützpfeiler westlicher Demokratie wie Tunesiens Ben Ali und Ägyptens Mubarak, einer Demokratie, die sich selbst immer wieder im Mund hatte und hat, deren Taten, die Großdemokratischen, jedoch so klein waren, dass selbst ein Elephant sich vor diesen Mäuschen, die da in den demokratischen Geheimkammern dieser Welt produziert wurden, nicht erschrocken hätte.

Willy Brandt hatte recht, als er damals sagte: „Lasst uns mehr Demokratie wagen.“
Die Nenn-Demoraten dieser Welt haben aber Sorge, ja Angst vor den Folgen, wenn demokratische Wagnisse zur Entscheidung anstehen. Begonnen bei der Erkämpfung zur Einsicht in die Verträge der Berliner Wasserwerke mittels erfolgreichen Volksbegehrens, über Stuttgart 21, bis hin zur neuen, magischen Summe von 500 Milliarden Euro auf EU-Basis, Deutschland haftend bis zu 240 Milliarden Euro.

ZWISCHENFRAGE:
Kann ein Hartz IV-Empfänger da überhaupt Demokrat sein, dem selbst ein tägliches Mehr von 16,6 Eurocent täglich vorenthalten wird? Ein Hartz IV-Kind, das staatlich subventioniert wird für "Bildung" mit monatlich 1,38 Euro, ein Hoch auf die Bildung!?, dessen Essens-Ration auf 2,55 Euro täglich begrenzt ist, inclusive Getränke?

Demokratische Sorgen von uns Demokraten sind ernst zu nehmen, hier oder draussen in der Welt. Das Jubeln, Jauchzen in Ägypten, ist es nicht gleichzeitig wie auch in Tunesien eine Forderung an uns, die neuen Demokraten, tunesischen Flüchtlinge nach Verjagung ihrer Potentaten , der westlich demokratisch korrupt Eingesetzten, demokratisch auszustatten und das nicht nur in Tunesien oder Ägypten, sondern in ganz Afrika und rund um unseren Globus.

Der europäische Demokrat verliert dabei sehr schnell Überblick und sein Rückgrad, wenn weltweit allzu viele Demokraten ihre Rechte einfordern, irgendwie erinnert mich das immer mehr an unseren Außenminister, den Schiffslenker Westerwelle; meinte der nicht, womöglich mit Recht (?), die spätrömische Dekadenz, inclusive Esels-Milch sei zu reservieren, für verdiente Demokraten? Sind die nunmehr Demokraten in Wirklichkeit nicht doch nur Aufrührer, die unseren Wohlstand gefährden?

ERGÄNZUNG:
Ich verweise auf einen Kommentar im Stern vom 16.2.2011 von Manuela Pfohl.

"Tunesiens Flüchtlinge:
Des Westens schäbige Botschaft.

Dass 2010 kaum noch Tunesier kamen, lag ausschließlich daran, dass der Westen dem Diktator eine Menge dafür zahlte, dass er die tunesische Grenze abriegelte. Jetzt, da Ben Ali selber gehen musste, muss sich der Westen den sozialen Problemen Afrikas - und damit auch den Flüchtlingströmen wieder stellen."

UND:

"Die schäbige Botschaft ist eindeutig: Revolution ja, aber bitte nicht auf unsere Kosten. Ob das anderen unterdrückten Völkern Mut macht, den Aufbruch in eine neue Gesellschaft zu wagen?"

http://www.stern.de/politik/ausland/tunesiens-fluechtlinge-des-westens-s...

Der Schah von Persien

Danke Ruganer,

für diesen Rückblick, auch Teil der eigenen, sehr nahen Erinnerungen, damals aus dem West-Berlin Ende der 60er. Unter dem Pastor Albertz von der SPD und Arm in Arm mit den Jubelpersern wurden hier die Demokraten zusammengeschlagen, Ohnesorgs Tod faktisch als Kollateralschaden in Kauf genommen. Heute kullern die Krokodilstränen, wendet man sich vordergründig von den Despoten ab. Dabei wäre der Schah und sein Feudalsystem doch genau das gewesen, was andernorts und weiterhin Bestand hat; wo wir selbst und unsere Demokratie nach und nach dahin verbracht werden. Und tendenziell, für die Mehrzahl der Menschen, unter den neuen, neoliberalen Talaren nicht viel besser als mittelalterlicher, islamistischer Muff von tausend Jahren...

Meine Erinnerung, damals auf der SZ zum 40. Todestag von Ohnesorg:

http://www.sueddeutsche.de/politik/tod-benno-ohnesorgs-die-polizisten-ha...