21 Jul 2016

Auflagenzahlen 2. Quartal 2016

Submitted by Bernd

Pfeifen im dunklen Wald? Abwärts ist das neue Vorwärts! Und immer stärker stellt sich die Frage, was das für goldene Zeiten gewesen sein müssen; damals ...

Teilweise zweistellige Minuswerte bestimmen die Analyse der Auflagenzahlen von Zeitungen und Zeitschriften; zeigt das zweite Quartal 2016 dabei einen stabilen Abwärtstrend.

Um 6,9 % geht es mit der harten Auflage (aus Abo und Einzelverkauf) beim Spiegel abwärts, halten sich Stern und Focus nur ein wenig besser; im Abwärtstrend. Und interessant ist dabei, wieviel Papier ansonsten noch gedruckt und verteilt wird; wohl als Weichwährung jenseits der harten Verkäufe.

Bei den Tageszeitungen geht es auch schon mal zweistellig abwärts, verliert die Welt gar 18,3 % während sich die Süddeutsche (SZ) mit 4,9 und die Frankfurter Allgemeine (FAZ) mit 5,2 % beinahe noch halten; wenn man so will ... Vormals linke (taz) und aktuell noch halbwegs linke (ND) Zeitungen müssen ebenfalls Federn lassen.

Die Sonntags- und Wochenzeitungen bieten ein ähnliches Bild, geht es bei der Welt um 8,1 und bei der FAS um 7,9 % abwärts, während die ZEIT mit Verlusten von lediglich 1,9 % noch recht gut davon kommt. Auch der Freitag kann sich halten, während die Junge Freiheit einmal mehr zweistellig wächst.

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Soweit die nackten, grausamen Zahlen;
und wie gehabt, nun noch etwas Lesen im Kaffeesatz.

Eigentlich müsste es ernsthaft schmerzen, müssten bei den Verantwortlichen alle Alarmglocken läuten; eigentlich ...

Warum das nicht so ist, erklärt sich einerseits wohl aus den eingangs vermuteten Goldenen Zeiten, die noch viel Substanz übrig gelassen haben.

Andererseits sind die meisten der hier genannten Zeitungen und Zeitschriften eingebettet in nur noch eine handvoll Medienkonzerne, leistet man sich dort wohl die ehemaligen Traditionsblätter.

Nicht zuletzt und insbesondere bei der FAZ/FAS spielen Stiftungen mittlerweile eine wesentliche Rolle, wenngleich auch dort im Zuge der gegen null gehenden Zinsen das Stiftungskapital anderweitig abgesichert werden muss; der Staat mit Sicherheit tut, was er kann.

Auf der anderen Seite hört man von den neuen, den doch so innovativen Paymodellen für das digitale Zeitalter meist nur einmal etwas; am Anfang, wird das Stochern im Dunkeln als flexibel, eben innovativ verkauft.

Die aufgerufenen 30 bis 50 Euro im Monat für nur eine Zeitung bzw. Zeitschrift muss man sich außerdem erst mal leisten können und wollen, wird das wohl nur für spezialisierte Nischenformate betriebswirtschaftlich aufgehen.

Der Spiegel dagegen ist wirklich innovativ, verkauft jetzt einzelne Artikel für 39 Cent, ist die Preiskonstruktion insgesamt wohl noch etwas erklärungsbedürftig, werden die Preisbereitschaften auf offener Bühne erkundet.

Das reine Handling der unterschiedlichen Paymodelle und jenseits der Inhalte bzw. der geforderten Preise scheint mir ein ganz wesentlicher Punkt (der Abschreckung?) zu sein. Tracken ohne zu tracken geht nun mal nicht, auch wenn und wie bei LaterPay unter Umständen der Anschein erweckt werden wollte. So ist ein auswertbarer Zugriff in definierter Zeiteinheit und insbesondere über die heute üblichen, mobilen Plattformen ohne jeweils explizites LogIn kaum möglich.

Sog. Datamining und zielgerichtete Werbebotschaften ebenso eingeschlossen wie die jeweils proprietären Anmelde- und Verwaltungsstrukturen.

Und der Strohhalm Facebook (Instant Articles) harrt ebenso einer positiven Verifizierung wie der digitale Kiosk namens Blendle.