27 Dez 2017

Gedanken zur Privatkopie

Submitted by Bernd

Goldene Zeiten, in denen kritische Netzinhalte immer schwerer aufzufinden sind, in denen Benutzer abgedunkelt werden, in denen Suchergebnisse nicht nur aus (ge)werblichen Zwecken manipuliert werden, diese  Zeiten kommen nicht erst, sie sind bereits da.

Dass Inhalte im Netz manchmal nur eine relativ kurze Verweildauer genießen, das scheint sich mittlerweile herumgesprochen zu haben, wenngleich es eigentlich nur (gefühlte) Annahmen sind. Einige Akteure und eher aus dem konservativen (neurechten?), denn dem politisch korrekten (neulinken?) Lager machen zwar oft ein großes Geschrei, wenn sie selbst und/oder ihre Inhalte bei den großen Playern (Facebook, Twitter, Google (Youtube) etc.) gesperrt werden. Nur sind die vorgenannten Plattformbetreiber eben private Unternehmen, sind bezüglich ihres Verhaltens weder demokratisch legitimiert, noch gibt es irgend ein formales Recht, dort frei veröffentlichen zu dürfen.

In der Vergangenheit wurden Löschungen, beispielsweise bei Youtube (Google) meist mit der Verletzung von Urheberrechten begründet, gab es manchmal gar nette Meldungen wegen der nicht bzw. nicht mehr Verfügbarkeit - auch schon mal eingrenzend: in Deinem Land ...

Das hat nach meinem Eindruck und schon seit einiger Zeit deutlich nachgelassen, dürfte sich Google auch hierzulande mit der GEMA (welche meist die Rechteinhaber vertritt) geeinigt haben. Nein, heute (auch wieder nur mein unmaßgeblicher Eindruck), heute überwiegen die Löschungen (manchmal auch gleich die des kompletten Accounts) primär wegen politisch nicht korrekter Inhalte - deren Auffindbarkeit durch kreativ angepasste Suchalgorithmen, durch sog. Shadowbanning etc. immer weniger gegeben ist. Die Provider der letzten Meile bis an das Endgerät sind daran noch weitgehend unbeteiligt. Aber das wird sich spätestens dann ändern, wenn die im Termitenblog erwähnte Netzneutralität auch hierzulande nicht mehr gilt.

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Dass die von den zwangsweise erhobenen GEZ-Gebühren finanzierten Inhalte in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken nur eine sehr kurze Verweildauer haben, das ist schon ein Skandal an sich, gehören diese Inhalte in der Regel doch den Gebührenzahlern. Etwas länger ist die Halbwertzeit von Beiträgen, wenn sie von mutigen, oft dennoch anonymen Nutzern zu Youtube hochgeladen werden. Aber auch hier -wieder nur mein Eindruck- scheinen die ÖR's jetzt häufiger auf Löschung zu drängen. Das Urheberrecht, ironischerweise wohl nicht das der Gebührenzahler, scheint auch hier passend  gemacht worden zu sein.

Manchmal mag es helfen, anstelle von Youtube einen anderen Videohoster anzusteuern, läd eine nicht ganz unbekannte Videobloggerin ihre bei Youtube kreativ verschwundenen Beiträge parallel auch auf Vimeo hoch. Nur haben diese alternativen Hoster nicht den Bekanntheitsgrad von Youtube und sind oft, zumindest oberhalb eines zum Testen gerade noch ausreichenden Volumens meist kostenpflichtig für den Bereitsteller der Videos; dafür in der Regel ohne Werbeoverkill. Zu vermuten ist außerdem, dass diese kleineren und (wohl anzunehmen) ohne Geschäftssitz in Deutschland betriebenen Videohoster eher nicht so leicht für Löschungen zu begeistern sind.

Habe mir die Tage (vorerst zum testen) einen kostenlosen, funktional und von der Performance her begrenzten Account bei Vimeo eingerichtet, das Video von der NRhZ/Jebsen-Preisverleihung hochgeladen und in einem Blog bzw. Kommentar hier bei den Termiten eingebettet. Werde das Ganze erstmal ausführlich testen; und dann für die vielen eigenen Videos vielleicht einen kostenpflichtigen Account buchen. So scheinen mir die geforderten 5 Euro im Monat für das dann verfügbare Volumen nebst anderer Features sowie der Abwesenheit von Werbung noch relativ angemessen. Und klar, die dort gespeicherten Inhalte müssen natürlich auch lokal gesichert bleiben; man weiss ja nie ...

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Aber ... und nun wird es sehr grundsätzlich im Sinne des Blogtextes, sollte für andere interessierte Menschen die Möglichkeit gegeben sein, diese Videos (und andere Inhalte, soweit nicht gerade Kinderpornographie) zumindest als private Kopie herunterzuladen. Das Urheberrecht hierzulande schließt die Privatkopie, die Weitergabe der Inhalte im privaten Kreis nicht aus. Verboten ist es allerdings, diese Inhalte und soweit urheberrechtlich geschützt, auf einem anderen Wege wieder öffentlich zugänglich zu machen; weder kostenlos und erst recht nicht gegen Bezahlung. Ansonsten, wie in meinem Falle bei Vimeo (oder auch bei den Termiten), stehen alle veröffentlichten eigenen Inhalte ausdrücklich unter Public Domain, dürfen bei Angabe der Originalquelle incl. Linksetzung wiederveröffentlicht und weiterverbreitet werden.

Speicherplatz auf lokalen Festplatten ist heute sehr günstig zu haben und insofern stehe ich mit Sicherheit nicht allein mit dem bereits seit Jahren betriebenen Unterfangen, Inhalte aus dem Netz, sowie von CD und DVD lokal zu archivieren, ggf. auch im privaten Umfeld weiterzugeben. Und diese Inhalte sind nicht auf Videos beschränkt, können aus Audiodateien, Podcasts, Bildern, PDF's und anderen Dokumenten und Texten bestehen; somit alles, was sich irgendwie in eine computerlesbare Dateiform bringen lässt. Manchmal ist noch etwas Nacharbeit erforderlich, oder es sind Formate zu konvertieren und/oder zu komprimieren. Für die dahingehenden Details und die ggf. notwendigen Tools sei ganz optimistisch auf einen späteren Blogtet verwiesen.

Zu Zeiten der physikalischen Datenträger (CD's und DVD's) hatte man es vielfach mit den verschiedensten Kopierschutzmaßnahmen zu tun (die im Prinzip dann irgendwann und irgendwie alle überwunden wurden. Heute ist das im Zeitalter des Streamens aus dem Netz weniger relevant, wenngleich nicht vollkommen vergessen, braucht man für einige CD's und für fast alle DVD's nach wie vor die entsprechenden Kopiertools. Gerade bei E-Books tobt aktuell der Kampf um den Kopierschutz und seitdem Amazon vor rund einem Jahr das Format gewechselt hat, deren E-Books dann erst mal nicht mehr kopierbar waren, seitdem habe ich mir auch keines mehr gekauft ... No way, ohne die Möglichkeit der Umwandlung in ein offenes EPub-Format. Aber auch ohne harten Kopierschutz werden sogenannte Wasserzeichen (in der Regel unsichtbar für den Nutzer) vielfach eingesetzt, ist darüber zumindest die Quelle, ggf. der (erste) Käufer zu identifizieren..

Was die -und soweit noch gegeben- Möglichkeit des Runterladens, des Streamens von Inhalten aus dem Netz auf die lokale Festplatte angeht, so sollte man das keinesfall von einer Quelle tun, bei der man sich explizit anmelden muß; für Texte und andere Dokumente, für Musik, für Videos, oder eben für E-Books von Amazon et al. Jeglicher Analyse und Nachverfolgung, ggf. Dingfestmachung sind ansonsten Tür und Tor geöffnet.

Anmelden, auch vermeintlich umsonst, ist niemals wirklich kostenlos!

Wer sich nicht anmeldet gibt weniger von sich und seinem Verhalten preis; und durch eine dahingehend restriktive Konfiguration des Browsers nebst eingesetzter Addons und anderer Tools kann man auch den sog. Browser-Fingerprint klein halten. Und eigentlich sollte das Runterladen von Inhalten, von Bildern, Videos, Audiodateien etc. sehr einfach und unkompliziert möglich sein. Anklicken - Rechte Maustaste - Speichern unter ... Wenn, ja wenn es nicht von den Inhalteanbietern oft blockiert würde, sie es zumindest und zunehmend erfolgreicher versuchen.

Bei Vimeo beispielsweise ist das Zulassen des einfachen Runterladens erst mit einem der kostenpflichtigen Accounts möglich.

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Firefox mit seinen diesbezüglichen Addons war in der Vergangenheit die erste Wahl, wenn es um die Möglichkeit des Runterladens von Inhalten via verschiedener Addons ging. War ..., denn seit der Version 57.x funktionieren viele bisherige Addons nicht mehr; stattdessen und wegen dem Deal mit einem deutschen Medienhaus wird nun wohl verstärkt Werbung eingeblendet. Das meint zumindest ein in Computerdingen relativ unbedarfter Freund, dem ich das Notebook incl. automatisch sich updatenden Firefox vor einem Jahr eingerichtet habe. Soll den Freund die Tage mal besuchen, den Scheiß runternehmen oder blockieren - wurde mir aufgetragen!

Ich selbst habe mir die schöne neue Werbewelt des Firefox garnicht erst angetan, nutze seit Mitte November den auf Firefox basierenden, superschnellen und aufgeräumt daherkommenden Browser namens Pale Moon; natürlich portable, natürlich vom USB-Stick, wie fast alle meine Programme; und natürlich ohne Werbung. Unter Pale Moon funktionieren auch fast alle Addons; aber eben nur fast ... Vielleicht aus Gründen der Prioritätensetzung sogar irgendwie verständlich, müssen die Anbieter von Addons jetzt strampeln, ersteinmal die Vorgaben des neuen Firefox zu erfüllen; falls sie da noch präsent sein wollten.

Googles Chrome oder Opera, erst recht Microsofts Internet-Explorer, sie waren schon immer etwas restriktiver als Firefox. So gab es nach meinen verschiedenen  Tests und dahingehend etwas Angelesenem weniger bis keine wirklich brauchbaren Tools zum runterladen innerhalb des Browsers. Und genau das scheint Kalkül zu sein, wird jetzt und neben der Werbung möglicherweise auch bei Firefox Einzug zu halten. So what ... und was den Fuchs angeht, habe ich mir die letzte, wirklich gut mit den entsprechenden Addons und ohne Werbung als Version 55.0.1 auf dem Stick gesichert; die Updatefunktion natürlich ausgeschaltet. Gehe einfach davon aus, dass zukünftig immer mehr Webseiten das Runterladen verhindern werden, die Browser- und Addon-Anbieter dabei mitmachen, das ihrige tun.

Es wird ihnen, den Browseranbietern und den Addon-Lieferanten jedoch wenig nützen, obwohl das Runterladen innerhalb des Browsers natürlich bequem ist, auch für technisch nicht so versierte Anwender machbar. Der Bedarf, auch meiner und soweit nicht über die genannte, eingefrorene Version des Firefox abzudecken, er wird sich daher auf separate Tools verlagern. ClipGrab ist so ein Teil, mit dem man auch Videos von Vimeo runterladen kann, obwohl dafür nicht explizit freigegeben, das Freigeben garnicht möglich ist, wie bei meinem Kostenlos-Account.

Für die wohl kommenden, noch härteren Fälle ist ebenfalls bereits vorgesorgt. So wurde eine vor Jahren gekaufte Version dieser Software  für knapp 10 Euro (neu wohl 40 Euro) einem Update unterzogen. Die Technik ist vollkommen anders, als diejenige der herkömmlichen Browser-Addons. Das Teil ist etwas aufwendiger zu bedienen, aber dafür kaum zu blockieren. Es handelt sich um eine Art Bildschirmcopy, anstelle des Einzelbildes (was ebenfalls möglich ist) als fortlaufender Stream.

Nur vom Bildschirm abfilmen dürfte noch schwerer zu blockieren sein, vielleicht ...