Judentum

Bein(h)art - Das Buch!

Den Karikaturenstreit außen vor gelassen, Peter Beinart gelesen und zitiert, so wird aus zwei wesentlichen Gründen sehr verständlich, warum der oft bedingungslose, der zur Staatsräson ausgerufene Israelsupport hierzulande und bis hin zu weitgehend schweigenden jüdischen "Offiziellen" den Beinart-Text scheuen wie der bekannte Teufel das noch bekanntere Weihwasser.

Moshe Zuckermann in Berlin

Bild: Bernd Ebert

 

Wie bereits vor wenigen Tagen hier im Blog angekündigt, so gab es am 31. Mai die Gelegenheit, den israelischen Soziologen Moshe Zuckermann bei einer Podiumsdiskussion der Tageszeitung "Junge Welt" real zu erleben. Anlass war die Vorstellung des zweitem Bandes "Wider den Zeitgeist", einer auf drei Teile angelegten Vortrags- und Essaysammlung Zuckermanns aus den letzten zehn Jahren.

 


 

Abgesang auf das "Jüdische"

Zumindest ein antideutscher Kollateralschaden, wenn man dem ansonsten bedingungslosen, oft besinnungslosen Israelsupport Glauben schenken wollte. Seitdem sich "das Jüdische" via der Beschneidung anschickte, auch hierzulande Jahrtausende alte Riten und Gebräuche über den säkularen Staat, das Grundgesetz zu stellen, da gingen bei den eher bellizistisch orientierten "best friends" alle Alarmglocken an.

Hitler's Secret Backers

Wenn der Text zu diesem kleinen Buch in irgend einem rechten Portal erschienen wäre, ja dann wäre die Intention klar, "deutsches Reinwaschen" angesagt. Nur ist Tom Segev ein anerkannter israelischer Historiker und Haaretz eine bekannte, mediale Stimme in Israel; leider zunehmend via Paycontent. Ein Artikel also von den zehn, welche nach Anmeldung dort im Monat frei zu lesen sind.

Der starke Tobac des Michael Wolffsohn

Das gängige Mantra: Israel, das Judentum und die jüdische Religion fallen in eins; den partiell gepflegten Gottesstaat eingeschlossen. Die Beschneidungsdebatte(n), gerade die in deutschen Landen und nach dem sog. "Kölner Urteil" rütteln nun doch erkennbar an diesem Postulat. Neue Koalitionen wohin man schaut und die eingeübten Feindbilder samt allfälliger Rhetorik werden schneller gewechselt als so manche Unterwäsche. Skurrile Querfronten sind erkennbar und gewollte, andauernde Gefolgschaft erfodert ein hohes Maß an relativierender Elastizität; natürlich ohne kritischen Blick in den Spiegel.

Antisemit!

Wenn es den -durchaus teilweise berechtigten- Vorwurf des "Antisemit!" als Herrschaftsinstrument und gern nach Moshe Zuckermann nicht geben würde, so müsste er glatt erfunden werden. Mal wieder ein Karrikaturenstreit, aber nicht gegen den Islam sondern -me too, me too- gegen die Juden. Natürlich, das ist etwas vollkommen anderes, weil der böse Islam und die Muselmanen sind ja beinahe generell zum Abschuss freigegeben, während das richtig verstandene Judentum als "last resort" für den (aktuell) etwas problembehafteten Kapitalismus herhalten darf.

Burg, Brumlik, Beinart - ein Zwischenruf

Weniger wäre mehr, gern zugestanden. Nur wird dieser Blog hier nicht betrieben um am eigenen Wissen bzw. Wesen die Welt genesen zu lassen, wird jedweder sog. Qualitätsjournalismus eher nicht angestrebt. Mehrere Bücher gleichzeitig und in einem jeweilig passenden Umfeld zu lesen mag unorthodox erscheinen, sind Synergieeffekte ebenso möglich wie das "sich verlieren" in jeweiligen Details. Daher hier also dieser Zwischenruf, quasi eine Wasserstandsmeldung.

Avraham Burg: "Hitler besiegen"

Um es einleitend deutlich zu sagen: Dieses Buch hat mich in erheblichem Umfang zu einem erweiterten, einem tieferen Blick auf Israel, auf das Judentum geführt. Darüber hinaus lassen sich gerade die religionsphilosophischen Kontexte in einem faszinierend aktuellen Bezug zu lesen und verstehen, obwohl das Buch in seiner ersten, hebräischen Ausgabe bereits aus dem Jahr 2007 stammt.